Linda Berger. Stricheraum IIII

Text: Erka Shalari

 

More than a decade ago, Linda Berger (born in Aalen, lives and works in Vienna) started to create universes of thousands and thousands of lines and strokes, meticulously bringing works into existence that are not easy to distinguish, whether they are drawings or paintings. Large formats characterize her work, sometimes in such large scales that the viewer can not help but to envision that the artist will continue forever. Apparently, this feeling also occurred to the gallery directors at Elektrohalle Rhomberg when they first presented Linda Berger’s works [1], leading to their invitation to use one of their rooms as a canvas. Five years after her last on-site intervention [2], the artist now presents Stricheraum IIII.

Prior from entering into the room where the intervention was executed, one will be immediately confronted with an artwork of the artist. „So you can see“ [3] serves in a way as a kind of signboard to indicate that you are approaching the artists fourth intervention. But how does such a space come into being? Large quantities of paper are required. The industry does not yet produce such large formats, so the artist will assemble sheets of paper, adhere them to each other delicately. The strokes that she draws with a trimmed brush adds to the illusion of them becoming one. Preparatory tools do not come into play – no sketches, no premonitions, no expectations. Starting from a blank sheet is very important to Berger. 

Documentation. This time the process of the first strokes and lines have even been documented by the artist herself. Every 60 seconds the camera clicking till declaring the documentation to be ended. The making of lines on the ceiling and floor is not shown to leave room for imagination. 

The space and all the given requisites, from the minuscule details to the larger ones, seem to be swallowed up by the artist’s world. Everything is covered with strokes. The emerged world is meant for people to pause, take time to linger, wonder, untangle mental knots, hear the sound of footsteps on paper. If possible the artist wishes that a „reset“ can take place in the viewer’s mind. Nevertheless, Linda Berger has never tried to dictate anything, her main significance remains the process from the first to the last stroke.

 

1. Linda Berger’s works were part of the group exhibition „HEADY DAYS“ recommended by Les Nouveaux Riches at Elektrohalle Rhomberg, Salzburg, Austria – 22.05 – 03.07 2021.

2. The artist has as yet realized three active, walk-through Stricheräume. These interventions have been carried in two galleries and in a private apartment in Vienna. Despite the ephemeral nature, the interventions perdure to exist beyond the exhibitions. So room | becomes part of room || part of room ||| and so on (…)

3. So you can see, 2017, Ink on paper, 150 cm x 200 cm

 

 

 

 

Linda Berger. Stricheraum IIII (German Version) 

Text: Erka Shalari

 

Vor mehr als einem Jahrzehnt begann Linda Berger (geboren in Aalen (D), lebt und arbeitet in Wien) Universen aus abertausenden von Linien und Strichen zu erschaffen und akribisch Werke ins Leben zu rufen, bei denen es nicht leicht zu unterscheiden ist, ob es sich um Zeichnungen oder Gemälde handelt. Große Formate prägen ihr Werk, manchmal in so großem Maßstab, dass der Betrachter nicht anders kann, als sich vorzustellen, dass sich die Werke unendlich ausbreiten können. Dieses Gefühl hatte offenbar auch die Galerieleitung der Elektrohalle Rhomberg bei der ersten Präsentation von Linda Bergers Arbeiten [1], was zu der Einladung führte, einen ihrer Räume als Leinwand zu nutzen. Fünf Jahre nach ihrer letzten Intervention vor Ort [2] präsentiert die Künstlerin nun den Stricheraum IIII.

Bevor man den Raum betritt, wird man mit einem anderen Kunstwerk der Künstlerin konfrontiert: „So you can see“ [3] dient gewissermaßen als eine Art Hinweis, dass man sich der vierten Intervention der Künstlerin nähert. Doch wie entsteht ein solcher Raum? Es werden große Mengen an Papier benötigt. Die Industrie stellt solch große Formate noch nicht her, also setzt die Künstlerin Papierbögen zusammen, klebt sie feinfühlig aneinander. Die Striche, die sie mit einem beschnittenen Pinsel zieht, verstärken die Illusion, dass die aneinander gesetzten Stücke zu einer Einheit werden. Hilfsmittel kommen nicht ins Spiel – keine Skizzen, keine Vorahnungen, keine Erwartungen. Von einem leeren Blatt auszugehen, ist für Berger sehr wichtig. 

Diesmal wurde der Prozess der ersten Striche und Linien sogar von der Künstlerin selbst dokumentiert. Alle 60 Sekunden klickt die Kamera, bis sie die Aufzeichnung für beendet erklärt. Die Entstehung der Linien an Decke und Boden wird nicht gezeigt, um der Phantasie Raum zu lassen. 

Der Raum und alle gegebenen Requisiten scheinen von der Welt der Künstlerin verschluckt zu werden. Alles ist mit Strichen bedeckt. Die entstandene Welt ist gedacht, dass der Mensch innehält, sich Zeit nimmt, um zu verweilen, sich zu wundern, geistige Knoten zu entwirren, den Klang der Schritte auf dem Papier zu hören. Wenn möglich, wünscht sich die Künstlerin, dass im Kopf des Betrachters ein „Reset“ stattfinden kann. Dennoch hat Linda Berger nie versucht etwas vorzuschreiben, wichtig ist der Prozess vom ersten bis zum letzten Strich.

 

 

1. Linda Bergers Arbeiten wurden im Rahmen der Gruppenausstellung „HEADY DAYS“ recommended by Les Nouveaux Riches at Elektrohalle Rhomberg, Salzburg, Austria ausgestellt – 22.05 – 03.07 2021.

2. Die Künstlerin hat bisher drei begehbare Stricheräume realisiert. Diese Interventionen wurden in zwei Galerien und einer Privatwohnung in Wien gezeigt. Ungeachtet ihrer ephemeren Natur existieren diese Interventionen über die Dauer der Ausstellung hinaus. RaumI wird Teil von RaumII wird Teil von RaumIII… 

3. So you can see, 2017, Ink on paper, 150 cm x 200 cm